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ADVENT UND Weihnachten 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

die Welt ist schön! Ich weiß gar nicht, wann ich dies das letzte Mal sah. Die Welt ist schön! Nun, ich will nicht angeben, denn das weiß ich nicht von mir heraus. Die Bibel hat es mir gesagt. Der glaube ich. Besser: Dem glaube ich. Schau doch nur, die Welt ist schön und tausend Gründe zum Staunen und Hinknien jeden Tag. Wo auch immer ich aufschlage und nicht wie im Telefonbuch lese: Die Welt ist schön.

Das kaum ausgesprochen, kam es, wie es kommen musste. Für einige war ich nach diesem Satz als Gesprächspartner erledigt. Andere sagte: „Christen!“ Wieder andere waren entsetzt, wie ich angesichts… ja, wessen angesichts eigentlich? - sagen könne, dass die Welt schön sein. Ob ich wohl in meinem Elfenbeinturm eigentlich schon mal von Krankheit und Hunger und all dem Elend gehört hätte? Zum Glück wollte mich, als radikale Variante, niemand einliefern lassen. Ich war auch zu müde, mich zu verteidigen, aber hell erfreut über diesen tollen Aufreger: Die Welt ist schön. Mitten im Dunkel ist sie schön. Auch ohne vollständiges Krippeanschieben ist sie dennoch schön. Diese Sichtweise hat mir die Bibel geschenkt. Ich wäre nie drauf gekommen. Es ist die Bilderkraft der Bibel. Es ist die unverschämte Ansage an den Menschen, ihm Dinge vor Augen zu malen, die für die jeweils aktuellen Zustände total gefährlich sind, weil sie etwas zeigen, was Gott vorhat. Klar doch, der Teufel ist los, weiß ich alles. War das jemals anders? In der Heiligen Nacht im Römischen Reich zählte ein Menschenleben nicht viel, pax romana - Frieden auf römisch - war sehr brutal. Und jetzt lebe ich gerade wieder in einer Zeit mit ihren eigenen Brutalitäten und Schreihälsen. Jesus hat uns immer gezeigt, dass das Böse im eigenen Herzen ist. In seiner poetischen Bergpredigt-Bauernsprache hat er das gesagt. Niemand, der es ist nicht verstehen könnte. (Wir reden uns mit „Nichtverstanden“ so gerne heraus.) Seitdem bin ich erlöster, weil ich weiß, es geht um mein eigenes Herz, da kann ich etwas machen. Die anderen kann ich nicht, muss ich nicht ändern. Mich kann ich ändern! Ich habe mich entschlossen, den Herrn an mir arbeiten zu lassen. Dem vertraue ich. Der hat mir die Brille des Evangeliums gegeben. Vorher habe ich viel Schönes, Zartes, Liebenswertes runtergemacht, habe viel Gutes gering geredet. Ein Frieden, der höher ist als meine menschliche Vernunft ist seitdem in mein Leben gekommen. Die Welt ist schön! Ach ja, und die letzte Gruppe vergaß ich noch; nämlich solche, die jetzt reflexartig aufschreien: „Da haben wir‘s wieder, wie die marxistische Religionskritik immer schon sagte: Religion - Opium für das Volk“ Dabei höre ich jeden Tag seinen Ruf an mich: Wache auf! Werde Licht. Dein Licht kommt. Mein Frieden kommt nicht, weil ich vom Krieg und Corona nicht wüsste; im Gegenteil!

In herzlicher Verbundenheit, Euer Pfarrer Jörg Coburger