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14. So.n. Trinitatis 13. September 2020
Pfr. Jörg Coburger über Lukas 17,11-19


Wir sind auf dem Weg. Ein Gottesdienst ist ein Weg. Dass wir Christus begegnen. Er hat uns zusammengerufen. Er versammelt die Gemeinde, zehn, zehn Männer müssen es sein, dann kann er beginnen, der Dankgottesdienst. Da redet Gott durch Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Und dass wir ihn um Heilung und Neubeginn anrufen dürfen: Eleison – so rufen sie die zehn; nicht viel anders als wir auch mit der Bitte um Erbarmen. Auch wir sind unterwegs vom Kyrie eleison zur Eucharistie. Wir sind unterwegs von der Bitte um Erbarmen zur Danksagung, Eucharistie.

Wie in der Apostelgeschichte des Lukas, wo wir wie nebenbei ganz selbstverständlich erfahren, wie die ersten Jünger und die Apostel am Sabbat im Tempel waren, so hören wir auch in seinem Evangelium von diesen jüdischen Wurzeln. Geh, zeig dich den Priestern.

Und darüber hinaus entsteht ein Bruch, denn nicht nur von der Barmherzigkeit eines Samariters lesen wir im 10.Kapitel, sondern von dem einen, der umkehrt und Gott dankbar die Ehre, das Gewicht gibt.
Diese Wertschätzung Jesu am Samariter weißt über die Grenzen Israels hinaus. Heiland der Völker, all derer draußen vor der Tür. Jesus heilt Kranke, nicht nur Juden. Jedenfalls bringt ihm ein Samariter, was die Juden ihm verwehrten.

Was bedeutet dieser Dank? Zum ersten:
Unterwürfiger Dank, feudaler oder moralisch pflichtgemäßer Dank ist im christlichen Glauben allein schon dadurch ausgeschlossen, dass das Gemeinte allein Gott gelten kann, wie eben das „soli deo gloria.“
Vor Gott, aber eben nur vor Gott, steht der Mensch als der ganz und gar auf Gnade Angewiesene. Das ist ja per se das Wesen der Gnade, dass sie sich nicht an Grenzziehungen halten will, dass sie darüber hinweg Brücken schlägt, und bitte nicht, weil Jesus die sektiererische Anbetung der Samariter in ihrem eigenen Heiligtum auf dem Garizim damit legitimiert hätte. Gnade führt zurück, sie schüttet aber nicht die Thora mit dem Bade aus.

Zum zweiten: Wofür danken? Für die Leiden und Sterben unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, für seinen Tod und seine Auferstehung. Sind wir auf dem richtigen Weg, wenn in unserer Zeit die Passion unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi bewerten, ja sogar verachten und auch mit pseudowissenschaftlichen Argumenten wegstreichen wollen anstatt seinen Weg zu meditieren? Also, konzentrieren wir uns auf den Bestand. Wie so oft, vor allem bei Lukas, sind die Geschichten offen, gleichsam nicht zu Ende erzählt, ja, handwerklich gesehen schon, aber sie sind geistlich gesehen offene Geschichten. Zu uns hin. Und will in diesen Tagen vor allem konkreter Dank in Hinblick auf den Herbst 1989 bewegen. Der Dank dafür, dass es weitesgehend ohne Gewalt und Blutvergießen geschehen konnte und dem Land ein möglicher Bürgerkrieg und noch schlimmer, ein Krieg zwischen den Ost- und Westblock, also ein zumindest europaweiter Krieg ausblieb. Ja, wir üben Demokratie, immer noch und immer wieder trainieren und wir werden sie nicht aufgeben wollen und uns von nichts und niemand demokratiemüde schwatzen lassen. Friedliche Revolution – das ein kein überspannter Ausdruck. Dafür gilt es Gott zu danken. So viele Gründe zum Dank und Lob. Dank für gewährte Lebenszeit erlebe ich immer wieder. Meine Dankbarkeit gilt unserer lebendigen Gemeinde hier im Dorf. Und wenn das sog. „normale Leben“ nicht möglich oder nur sehr eingeschränkt möglich ist, macht es noch einmal ganz neu wach und aufmerksam für große und kleine Dinge des Alltages, die wir soinst einfach so hingenommen hatten. Ich möchte zusammenfassend mit dem Psalmwort der SPM sagen: „Gott danken ist Freude!“

Und zum Dritten:
So viel Dank wird im Gottesdienst laut und leise dargebracht, nicht nur Dank für Erfolg, für Heilung und jeglichen Gewinn. Auch Dank für das Schwere, Dunkle und Unverstehbare. Die Schreienden Zehn gehen doch los, NOCH vollkommen ungeheilt. Das aber zeigt uns der fremde Freund aus Samarien: Glaube vollendet sich nicht im Nehmen, sondern im Dank. Dank hat eine Adresse. Glaube vergisst nicht hinter der Gabe den Geber.
So, wie der Samariter gleichsam hinter der Heilung den Heilenden nicht vergaß.

Schließlich: Mit Dank beginnt das Abendmahl; die „Eucharistie“, was ja schlicht: Danksagung heißt: „Lasst uns Danksagen dem Herrn unserem Gott“ – Das ist würdig und recht. Und endend im Lobpreis „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich“ ist die Eucharistie Mitte und Maß, in der die Gemeinde der Heiligen heil werden soll und darf und deshalb, in Frieden ausgesandt, selber zur Gemeinschaft der Heilenden wird. Das Abendmahl ist Dank, von Anfang bis Ende für Erlösung unseres Herrn Jesus Christus.

Und zu guter Letzt; Glaube vollendet sich nicht im Nehmen, härter gesagt: Konsumieren; das ist keine menschliche Haltung. Haben wirs bemerkt, Glaube und dadurch lebendig und heil werden wird dem einen im Unterschied zu allen Zehn zugesprochen, der zurückkommt und Dank ausspricht.